Welcher Hund ist gesünder: Rassehund oder Mischlingshund?

Die Gesundheit unseres Hundes liegt uns sicherlich allen am Herzen. Deshalb achten wir auch besonders auf die Hundeernährung, deshalb lesen Sie vielleicht gerade hier in unserem Blog von Graf Barf, und deshalb fragt man sich hin und wieder, welcher Hund der richtige ist, wenn man sich für hundischen Familienzuwachs entscheidet. Häufig hört man: Mischlinge sind gesünder als Rassehunde! Doch stimmt das denn überhaupt in letzter Konsequenz? Wir fragten dazu die Tierheilpraktikerin Sabrina Lingrün.

Graf Barf: Wir Hundebesitzer wissen es – ein Hundeleben ist eigentlich viel zu kurz und sehr kostbar. Wenn man vor der Entscheidung eines neuen Hundes steht und einen gesunden Hund haben möchte, für welchen sollte man sich entscheiden: Rassehund oder Mischling? Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer Praxis?

Sabrina Lingrün: Da kann ich ganz klar sagen, es gibt kein „entweder oder“! Man muss einfach sehr genau hinschauen, für welchen Hund man sich entscheidet. Beginnen wir einfach einmal vielleicht historisch, um besser einordnen zu können, wie es zu Rassehunden kam. Die Geschichte der Hundezucht begann in Wahrheit auf Initiative des Wolfes selbst. Schlau wie er war, lernte er, dass es beim sesshaft gewordenen Menschen immer etwas zu fressen gab, wenn man sich die menschliche Aufmerksamkeit verdiente. Gleichzeitig erkannte der Mensch den Nutzen eines Wolfes zum eigenen Schutz ebenso wie, dass es unter den Wölfen wildere im Unterschied zu hilfreicheren und zugleich zahmeren Artgenossen gab. Dies gilt als der Startpunkt der ersten Wildhunde-Zucht des Menschen durch die Auslese der zahmeren und ihren Aufgaben angepassten Hunden. Denn klar war: Der Hund sollte dem Menschen dienen. 

Daraus entstanden nach und nach bis heute intensive Zuchtprogramme zur Ausprägung bestimmter erwünschter Merkmale: z.B. Hunde, die sich zum Hüten von Herden eigneten, die gut apportieren konnten, aber auch Hunde, die bestimmten Schönheitsidealen entsprachen – wie Hunde mit großen Augen (wie z.B. der Mops). Zur Reinerhaltung der so entstandenen Hunderassen oder zur Vermeidung des Aussterbens von bestimmten Rassen wurden Zuchtlinien oft isoliert und miteinander gekreuzt. Der große Nachteil dabei war und ist, dass mutierte Gene, die zu genetisch bedingten Krankheiten führen, rassespezifisch gehäuft auftreten. Das große Problem vieler genetisch bedingter Erkrankungen ist, dass die Hunde den Genfehler verborgen, also nicht äußerlich erkennbar, tragen. Sie erkranken nicht selbst und erscheinen gesund. Verpaart man aber solche Tiere, sogenannte Anlageträger, so tritt die Krankheit bei ihren Nachkommen sichtbar auf. Denken wir an Erkrankungen des Bewegungsapparates wie HD (Hüftgelenksdysplasie) und ED (Ellenbogendysplasie) beispielsweise beim Golden Retriever bzw. Schäferhund oder Erkrankungen des Blutes wie Blutbildungs- oder Blutgerinnungsstörungen z.B. beim Berner Sennehund, Dispositionen zu Atopien, sogenannten Umweltallergien z.B. beim Boxer, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber ebenso optische Zuchtmerkmale wie beispielsweise die immer kürzer werdende Schnauze mit den hervorquellenden Augen des Mopses, die dem Kindchen-Schema entsprechen soll, den Hund aber hecheln, schnaufen und schnarchen lässt, da er kaum noch Luft bekommen kann. Alle diese Dinge haben die Rassehunde in Verruf gebracht, überzüchtet und nicht mehr gesund zu sein. Diese Zuchtbegleiterscheinungen erlebe ich in meiner Praxis tagtäglich. Für den Hundekäufer haben Rassehunde den Vorteil, dass man ihre rassetypischen Charaktereigenschaften und auch ihr Aussehen besser einschätzen kann als bei einem Mischlingshund. 

Graf Barf: Diese vererbten gesundheitlichen Probleme haben Mischlingshunde aber dann ja nicht in diesem Maße. Bin ich da auf der sichereren Seite?

Sabrina Lingrün: Dafür gibt es keine Garantie, aber was die durch die Auslese in der Zucht bedingten rassetypischen Erbkrankheiten betrifft, könnte man sagen, dass sich das Risiko bei Mischlingshunden reduziert, da durch die Kreuzung von Elterntieren aus verschiedenen Rassen eine größere genetische Vielfalt an die Nachkommen vererbt wird. Das Risiko für Erbkrankheiten lässt sich allerdings auch hier nicht generell voraussagen. Nicht unerwähnt darf hier bleiben: Mischlinge kommen häufig aus dem Ausland. Diese bringen in den allermeisten Fällen parasitologische Erkrankungen wie Leishmaniose, Anaplasmose usw. mit. Die typischen Mittelmeerkrankheiten. Ich hatte selbst schon so einen Kandidaten aus Italien, der bei der Einreise auf Leishmaniose negativ getestet war, aber ein Jahr später an genau dieser erkrankte. Was nicht verwunderlich ist, wenn man weiß, dass die Inkubationszeit dieser Infektion deutlich mehr als ein Jahr betragen kann. Dann folgte eine Milztumor-OP und lange Medikamentengaben...

Graf Barf: Also kann man gar nicht sagen, welcher Hund wirklich der gesündere ist. Was kann ich als Hundeinteressent nun tun?

Sabrina Lingrün: Auf jeden Fall keine schnellen Entscheidungen treffen, sondern genau hinschauen, für welchen Hund man sich entscheidet. Ich rate immer dazu, bei der Wahl eines Rassehundes sich im Vorfeld über die Rasse und deren Zucht zu informieren. Das gilt für das Wesen und den Job, für den diese Rasse gezüchtet wurde, genauso wie für den allgemeinen Gesundheitszustand sowie typische Erkrankungen dieser Hunderasse. Mitunter ist es besser, sich gegen eine „Mode-Hunderasse“ zu entscheiden und lieber eine unbekanntere zu wählen. Außerdem sollte man den Züchter mit Bedacht auswählen und dort offen nach Gesundheitsnachweisen der Elterntiere nachfragen. Wichtig finde ich, den Züchter nicht nur einmal bei Abholung des Welpen zu besuchen, sondern bereits zuvor. Die Welpen und Elterntiere zu beobachten und zu schauen, wie die Hunde gehalten werden. Wichtig ist dabei ebenso, wie der jeweilige Züchter in Sachen Ernährung und Medikamentengabe agiert. Wenn der Züchter suspekt erscheint, keinen Hund erwerben! Der Kauf eines Welpen ist eine sehr wichtige Entscheidung, und es gibt viele andere Züchter. Bitte kaufen Sie niemals – gerade nicht aus Mitleid – sogenannte Wühltisch-Welpen (Schnäppchen) aus dem Ausland zum Beispiel auf Märkten oder aus Kofferräumen. Diese Tiere werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt und sind meist schwer krank, wenn sie in Deutschland ankommen. Die Muttertiere werden lediglich als Gebärmaschinen gehalten. Sie helfen hier nicht, Sie kurbeln das Geschäft mit den Welpen mit jedem Kauf leider noch weiter an.

Wenn man keinen geeigneten Rassehund findet oder nicht möchte, einfach einmal in den Tierheimen vor Ort vorbeischauen. Dort sitzen viele Hunde, die auf ein neues Zuhause hoffen. Auch hier gilt: Lassen Sie sich Zeit bei der Auswahl, informieren Sie sich darüber, was das Tierheim über den Hund weiß (Verhalten und Gesundheit), und lernen Sie den Hund vorab durch gemeinsame Aktivitäten kennen.

Graf Barf: Unser Fazit – ob Mischlingshund oder Rassehund, man muss genau hinschauen, sich möglichst gut informieren. Und dennoch, ein Hund ist ein Lebewesen, bei dem man nicht alle Eventualitäten planen kann – ganz wie bei uns Menschen. Jeder Hund ist einzigartig und bereichert unser Leben gerade deshalb! 

Sabrina Lingrün: Das stimmt. Er ist uns so nahe und kann so eine starke Bindung zu uns entwickeln, dass es eine wahre Wonne ist, ihn sein Leben lang zu begleiten, uns um ihn zu kümmern (auch wenn er mal krank wird) und mit ihm jede Menge großartige Stunden zu erleben.

Zur Person Sabrina Lingrün

Zertifizierte Tierheilpraktikerin (Verband deutscher Tierheilpraktiker) mit mobiler Praxis, Zertifizierte Ernährungsberaterin BARF für Hunde & Katzen nach Swanie Simon.

Schwerpunkte: Ernährungsberatung BARF für Hunde & Katzen, Klassische Homöopathie, Vitalpilze, Traditionelle Chinesische Veterinär Medizin, Phytotherapie, Laserbehandlungen und Horvi Enzymtherapie

Kontakt: www.tierheilpraxis-wörth.de

 

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