Was macht eine gesunde Hundeernährung aus? 6 Fragen an Sabrina Lingrün, Tierheilpraktikerin und Tierernährungsberaterin

Für uns Hundebesitzer mit das wichtigste Thema überhaupt: Wie ernähre ich meinen Hund ausgewogen und gesund und beuge gleichzeitig Erkrankungen vor? Graf Barf befragte die Tierheilpraktikerin und Tierernährungsberaterin Sabrina Lingrün dazu. 

Graf Barf: Was sind Ihre goldenen Regeln für eine gesunde, artgerechte Hundeernährung?

Sabrina Lingrün: An erster Stelle steht ganz klar eine artgerechte Ernährung, die die Bedürfnisse des Hundes berücksichtigt. Der Hund ist ein Carni-Omnivore, also ein Fleisch- und Allesfresser. Mit der BARF Fütterung kommt man der natürlichen Ernährung des Hundes daher am nächsten. Diese orientiert sich an dem Beutetier-Prinzip. Das bedeutet, man baut über einzelne Bestandteile ein Beutetier nach, wie zum Beispiel mit Fleisch, Innereien, Knochen, Pansen- und Blättermagen etc. 

Wichtig finde ich zweitens: Die Hundeernährung, also das Barfen, darf nicht zu kompliziert sein, wie es oftmals dargestellt wird. Es soll für den Hundebesitzer nicht abschreckend wirken, so dass er dann gleich wieder zum herkömmlichen Futter umsteigt. Obwohl man sich natürlich ein Grundwissen aneignen oder die Hilfe eines zertifizierten Ernährungsberaters in Anspruch nehmen sollte, um eine Mangelernährung auszuschließen.

Drittens kann die Mahlzeit durch sinnvolle Zusätze bedarfsgerecht ergänzt werden (wie z.B. Öle, Algen oder Kräuter).

Viertens und vielleicht beruhigend: Es ist dabei nicht notwendig, in jeder einzelnen Futterration alle Nährstoffe im optimalen Verhältnis zusammenzustellen. Denn der Wolf frisst auch nicht mit jeder Mahlzeit alle Bestandteile des Beutetiers. In der Summe über den Monat verteilt sollten die Nährstoffe alle gefüttert worden sein, dann stimmt die Bilanz.

Graf Barf: Was heißt das genau? Warum ist Barfen so gut für den Hund im Gegensatz zur Fütterung mit Trockenfutter oder Dosenfutter?

Sabrina Lingrün: Diese Art der Fütterung ist bestens auf die Bedürfnisse des Hundes und sein Verdauungssystem ausgerichtet. Eine gesunde artgerechte Ernährung ist der Grundstein für die Gesundheit des Hundes. Trockenfutter enthalten häufig Zusatz- und Füllstoffe wie Getreide und Zellulose (für mehr Futter-Volumen) sowie chemische Zusätze wie z.B. Geschmacksverstärker. Meistens ist sogar in irgendeiner Form Fabrikzucker versteckt. Mit Barfen weiß man als Hundebesitzer, was man dem Hund in seinen Napf gibt.

Graf Barf: Kann Barfen heilen bzw. die Gesundheit des Hundes verbessern? Erzählen Sie uns eine Ihrer Lieblingsgeschichten aus der Praxis…

Sabrina Lingrün: Von einer Gesundheitsverbesserung durch ausgewogenes Barf kann man definitiv ausgehen. Wie wichtig eine gesunde Ernährung ist, wissen wir Menschen nicht erst seit gestern. Ich vergleiche die standardisierte industrielle Fütterung gerne mit einem Besuch in einem Fast-Food-Restaurant. Stellen wir uns vor, wir würden jeden Tag Burger essen. Diese Art der Ernährung würde auch dem Menschen auf Dauer schaden. 

Gerne erzähle ich Ihnen ein Beispiel aus meiner Ernährungsberatung: Lenny ist ein schokoladenfarbener Labrador. Als ich ihn kennenlernte, war er erst ein Jahr alt und zeigte diffuse Auffälligkeiten wie trockene Hautekzeme, beidseitige Ohrenentzündung und Augenausfluss. Außerdem hatte er eine besondere Eigenart: Er fraß den Kot anderer Hunde. Krankheiten konnten durch Untersuchungen ausgeschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde er mit einem herkömmlichen Trockenfutter gefüttert. Sein Fell war stumpf und trocken. Nach der Umstellung auf die biologisch artgerechte Rohfütterung (BARF) besserten sich die Symptome nach und nach, und vor allem das Kotfressen hörte auf. Heute glänzt sein Fell, seine Haut schuppt und juckt nicht mehr. Er ist ein rundum schöner Labrador geworden. Und Lenny ist in meinem Alltag kein Einzelfall ?.

Graf Barf: Auf was sollte man beim Einkauf von Barf-Futter achten?

Sabrina Lingrün: Definitiv auf Qualität! Kann man nach dem Auftauen die einzelnen Futterkomponenten nicht erkennen, spricht dies dafür, dass die Qualität des Produktes nicht sehr hochwertig ist. Teilweise findet man in gewolften Rationen Teile vom Tier, die minderwertig sind, wie Schnäbel oder Füße. Wichtig finde ich auch die Frische, den Geruch, die Konsistenz und den visuellen Gesamteindruck des Barf-Futters.

Außerdem sollte man darauf achten, woher das Fleisch kommt. Es macht keinen Sinn, Fleisch aus China für Hunde in Deutschland zu beziehen. Stichworte: geringe Transportwege, geringer CO2-Fußabdruck. Das Fleisch sollte aus artgerechter Tierhaltung stammen. Knochen sollten nicht nur aus Knorpel bestehen, denn Knorpel sind als alleinige Kalziumquelle nicht ausreichend. 

Weiterhin ist ein gesicherter und zuverlässiger Versand – insbesondere eine gute, durchgängige Kühlung – von besonderer Bedeutung. Achten sollte man auf eine unbeschädigte, einwandfreie Verpackung (keine aufgeblähten Würste, ein möglicher Rückversand). Eine offene Deklaration hilft, wenn man wissen möchte, was drin ist. Denn mit einer geschlossenen Deklaration hat der Hersteller die Möglichkeit, minderwertige Bestandteile unter dem Decknamen „Fleisch und tierische Nebenprodukte“ zu maskieren. Selbstverständlich sollte auch der Preis pro Kilogramm Futter im Rahmen sein. 

Graf Barf: Das ist ja eine ganze Menge, auf was man achten sollte. Aber eigentlich ganz so wie beim Fleisch, das wir für uns selbst einkaufen. Was empfehlen Sie: ganze Fleischstücke oder gewolftes Fleisch, Menüs oder selbst mischen?

Sabrina Lingrün: Dies ist abhängig von der Gesundheit, dem Alter und den Vorlieben des Hundes sowie von der Bereitschaft des Tierhalters zur Eigeninitiative. Für meine Hunde bereite ich die Mahlzeiten täglich frisch zu. Zu 80 % gibt es bei uns stückig, die Innereien lasse ich mir individuell nach meinen Vorgaben mischen, und das Gemüse und Obst stelle ich selbst her. Dies ist natürlich mit zeitlichem Aufwand verbunden. Ein Hundebesitzer, der sich neben einem Vollzeitberuf noch um Haushalt und Kinder kümmern muss, kann mit dem Selbstmischen überfordert sein. Diesem würde ich dann zu einem ausgewogenen Fertigmenü raten. Bei einem Fertig-Barf-Produkt bin ich eher ein Fan der stückigen Variante, da man besser erkennen kann, was im Napf landet. Außerdem bilden sich in gewolftem Fleisch leichter Bakterien. Das ist vergleichbar mit Hackfleisch für unsere menschliche Ernährung. Nicht zu vergessen: Die Verdaulichkeit von gewolftem Barf-Futter ist geringer, da es den Hundemagen schneller passiert als Stückiges. 

Graf Barf: Stimmt es, dass Barf-Hunde weniger schlecht riechen, weniger Zahnstein haben und weniger unter Allergien und Hautkrankheiten leiden? Was sind weitere direkte Vorteile der Barf-Ernährung, die Sie nach einer Futterumstellung beobachten, und warum?

Sabrina Lingrün: Meiner Erfahrung nach kommt unangenehmer Körper- und Maulgeruch sehr häufig von minderwertiger Nahrung. Natürlich können auch gewisse Erkrankungen dazu führen. Aber qualitativ minderwertige Futtermittel und unnatürliche Zusatzstoffe führen definitiv zu diesen Erscheinungen. Wenn man allein betrachtet, wie viel Kohlenhydrate und Stärke in industriellem Hundefutter enthalten sind, wundert dies nicht. Wie beim Menschen sind auch sie für die Entstehung von Zahnstein und Karies verantwortlich. 

Allergien sind nicht immer auf Futtermittel zurückzuführen, aber sie begünstigen auch das Entstehen von Futtermittelunverträglichkeiten. Aus einer Pollenallergie kann eine Stauballergie werden und aus dieser plötzlich noch eine Futtermittelallergie. Der Organismus kommt mit immer weniger Stoffen aus der Umwelt zurecht. Dann hilft oft nur noch eine Ausschlussdiät, diese ist aufgrund der vielen Zusatzstoffe mit einem Fertigfutter allein nicht durchführbar.

Außerdem erkranken leider immer mehr Haustiere aufgrund schlechter Nahrung an Magen-Darm-Erkrankungen oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und des Stoffwechsels wie Diabetes mellitus oder Schilddrüsenfunktionsstörungen. Nach einer gezielten Futterumstellung geht es den Hunden meist bereits kurz danach deutlich besser. Dies liegt zum einen daran, dass viele Alleinfuttermittel zum Teil bedenklich hohe Polysaccharide (Vielfachzucker) enthalten, die die Hunde nur unzureichend verwerten können. Zum anderen liegt dies an den zahlreichen zum Teil bedenklichen Zusatzstoffen wie Konservierungs-, Antioxidationsmittel und Stabilisatoren.

Wir danken Sabrina Lingrün für das informative Interview. 

Sabrina Lingrün ist zertifizierte Tierheilpraktikerin und Tierernährungsberaterin. Sie absolvierte ihre Ausbildungen in der klassischen Homöopathie, der Mykotherapie, der Traditionellen Chinesischen Veterinär-Medizin, der Phytotherapie und der Ernährung von Hunden und Katzen. Seit der Gründung ihrer Tierheilpraxis vor sechs Jahren bildet sie sich ständig im Bereich der Tierheilkunde und Tierernährung weiter. Die Ernährungsberatung gehört ebenso wie die Gesundheitsberatung zu ihrem regelmäßigen Arbeitsalltag. Frau Lingrün erstellt Ernährungspläne zur Rohfütterung und zu selbstgekochten Rationen für Welpen, adulte Hunde und Senioren – sowohl für gesunde Tiere als auch bei akuten und chronischen Erkrankungen. Neben ihrer Praxistätigkeit unterrichtet sie angehende Tierheilpraktiker an der THP Schule Swanie Simon, Leipzig, und an den Paracelsus Schulen deutschlandweit. Wer mehr über Sabrina Lingrün und ihre Praxis wissen möchte, findet hier weitere Informationen: https://www.tierheilpraxis-wörth.de

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